Dresden
Stadtteilgeschichte Innere Altstadt
Bericht aus dem Magazin die-infoseiten.de / Ausgabe März-April 2008
Viele Lobpreisungen hat Dresden über die Jahrhunderte hinweg bereits gehört und wenn man heute durch die Innere Altstadt schlendert, muss man eingestehen – mit Recht. Die Sehenswürdigkeiten in Elbflorenz, wie Johann Gottfried Herder Dresden einst betitelt haben soll, laufen sich den Rang ab und es fällt schwer, einen Favoriten zu küren.
Die innere Altstadt befindet sich am linken Elbufer und ist das eigentliche historische Zentrum. Einst von mächtigen Festungsmauern umgeben, wurde die Pracht der Residenzstadt und seiner Regenten weithin bekannt. Die Stadtbefestigung wurde abgetragen, ist aber auch heute noch in Teilen erkennbar, beispielsweise auf der Grünfläche unterhalb des Moritzmonuments an der Brühlschen Terrasse. Anstelle der Stadttore entstanden Plätze – so der Postplatz am ehemaligen Wilsdruffer Tor und der Pirnaische Platz am ehemaligen Pirnaischen Tor. Dresden dehnte sich aus und wurde flächenmäßig immer größer.
Während der Bombardierung Dresdens im Jahr 1945 wurde die innere Altstadt vollständig zerstört. Bis heute dauert der Wiederaufbau an. Baustellen, Kräne und Ausgrabungsstätten gehören mittlerweile zum gewohnten Bild in der Innenstadt und es ist spannend, die Entwicklungen rund um Alt- und Neumarkt, Wilsdruffer Straße und Postplatz mit zu verfolgen. Mit dem weltweit beachteten Wiederaufbau der Frauenkirche und der Gestaltung des Neumarktes hat Dresdens Innenstadt an Charme noch gewonnen. Was gerade in den letzten Jahren durch den unermütlichen Einsatz vieler Menschen neu oder wieder entstand, erstaunt sicherlich nicht nur Touristen.
Dresden wurde im Jahr 1206 erstmals urkundlich erwähnt
und 1216 zum ersten Male als Stadt bezeichnet. Die albertinischen Wettiner sind, seit sie Dresden Ende des 15. Jahrhunderts zu ihrer Residenz wählten, mit der Geschichte der Stadt fest verbunden, prägten sie doch Entwicklung und Bild der Stadt entscheidend. Der wohl bekannteste unter ihnen war Kurfürst August I. (1670 – 1733), der wegen seiner Tatkraft und Statur auch August der Starke genannt wurde. Er herrschte absolutistisch und wollte Sachsen zur europäischen Großmacht etablieren. Seine politischen Ambitionen liefen jedoch größtenteils fehl, so daß das sogenannte „Augusteische Zeitalter“ heute eher mit seinen großartigen barocken Bauten und seiner Liebe zu Kunst und Kultur in Zusammenhang gebracht wird. Bis heute blieben uns seine großartigen Kunstsammlungen in der Gemäldegalerie und im Grünen Gewölbe erhalten. Während seiner Regentschaft wurden u.a. Zwinger und Taschenbergpalais erbaut. Auf sein Geheiß wurde 1710 die erste europäische Porzellan- Manufaktur in Meißen gegründet. 1697 krönte man ihn zum König von Polen, sein bedeutendster politischer Erfolg. Legendär sind die Überlieferungen von rauschenden Festen und Bällen am Kurfürstenhof dieser Zeit. Zahlreiche Mätressen versüßten dem Genussmenschen August das Leben. Gräfin Cosel, der bekanntesten seiner Geliebten, machte er u.a. das Taschenbergpalais zum Geschenk. Sie galt als eine der schönsten und klügsten Frauen dieser Zeit. Nachdem August der Starke der Gräfin überdrüssig geworden war, lebte sie bis zu ihrem Tod jahrzehntelang als Gefangene auf Burg Stolpen. Als August der Starke 1733 in Warschau verstarb, setzte man ihn dort bei. Sein Herz jedoch brachte man nach Dresden, wo es – wie man sagt – heute noch schlägt…
Der Zwinger
entnommen aus „Historischer Wanderleitfaden“- Dresdner Stadtspaziergänge
Der Raum zwischen äußerer und innerster Festungsmauer einer Stadtbefestigung wurde Zwinger genannt. Auf diesem Gelände an der Bastion Luna begannen die Bauarbeiten. Ursprünglich erhielt Pöppelmann 1709 den Auftrag, eine Winterunterkunft für die kostbaren und empfindlichen südländischen Gewächse, die am Hofe sehr beliebt waren, zu schaffen. Nach 1711 wurden die Pläne erweitert und die Orangerie gebaut. Zu dieser Zeit begann Permoser mit seiner Arbeit an den Figuren für das Nymphenbad. Bis 1716 wurden der Französische und der Mathematische Pavillon errichtet. Das Kronentor, Dokumentation der polnischen Königswürde des Bauherren Friedrich August I., nahm mit der Langgalerie seit 1715 Gestalt an. Gegen den Widerspruch des Militärs wurden damit die Festungswälle bebaut. Bis 1732 fügten sich nacheinander die stadtwärts liegenden Bogengalerien und Pavillons in das Bauwerk ein. Die beschwingten Bauformen der Gebäudeteile verschwinden förmlich unter der Fülle des bildhauerischen Schmuckes. Etwa 600 Figuren aus sächsischem Sandstein schmücken das Ensemble, welche nicht nur Permoser zugeschrieben werden. Erst 1847 – 1855 wurde der Zwinger zur Elbe hin durch den Museumsbau der Gemäldegalerie von Gottfried Semper abgeschlossen. Nach den Zerstörungen des 2. Weltkrieges wurde der Zwinger rekonstruiert. Fortlaufende Arbeiten halten ihn instand. Heute hat der Zwinger jährlich ca. 2,5 Mio. Besucher und wird hauptsächlich museal genutzt. Der Kunsthistoriker Hans Weigert fasst sein Urteil in einem einfachen Satz zusammen: „ Der Zwinger ist der Gipfel des Barock in Europa.“
Stallhof und Fürstenzug
Der Stallhof ist einer der letzten Zeitzeugen der Renaissance in Dresden. Hier wurden Spektakel und Turniere abgehalten, bei denen sich die höfische Gesellschaft mit sportlichen Wettkämpfen die Zeit vertrieb. Der Lange Gang mit seinen Arkaden, an denen Trophäen, Wappen und die Sgrafitto-Technik zu bewundern sind, wird dem Besucher besonders ins Auge fallen. Im Dezember fand hier der beliebte Mittelalterliche Weihnachtsmarkt statt, bei dem es im letzten Jahr während eines Brandes zu erheblichen Beschädigungen an der historischen Fassade kam, die nun beseitigt werden. Der Fürstenzug befindet sich an der äußeren Nordwand des Stallhofes. Er misst ganze 102 Meter auf denen auf 25.000 Meißner Porzellankacheln die Sächsischen Herrscher mit Gefolge abgebildet sind.
Das Residenzschloss
… war bis 1918, als der letzte Sächsische König angeblich mit den Worten: „Dann macht doch euern Dreck alleene!“ abdankte, Wohn- und Regierungssitz der Sächsischen Landesfürsten. Ein spätromanischer Bau wurde über die Jahrhunderte hinweg mehrmals umgebaut. Im 16. Jahrhundert entstand so unter Kurfürst Moritz eines der prachtvollsten Renaissanceschlösser in Deutschland. Nach einem verheerenden Schlossbrand von 1701 wurden die Räume auf Geheiß von August des Starken mit barockem Prunk neu gestaltet. Als auch dieses Gebäude 1945 komplett niederbrannte, begann man 1985 mit dem komplizierten Wiederaufbau. Nach und nach zogen Museen der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden in den Gebäudekomplex ein. So auch seit 2004 das „Grüne Gewölbe“. Vom ca. 100 m hohen Hausmannsturm, der noch der Zeit der romanischen Burganlage zugerechnet werden kann, genießt man einen phantastischen Blick über die Stadt.
Die Brühlsche Terrasse
Nachdem die militärischen Wehranlagen an Bedeutung verloren hatten, verschenkte Kurfürst Friedrich August II. – Sohn von August dem Starken – Teile der Anlagen an seinen Minister Heinrich Graf von Brühl. Dieser errichtete sich hier in der Mitte des 18. Jahrhunderts sein persönliches barockes Areal mit Lustgarten. Seit die Brühlsche Terrasse 1814 für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht wurde, erreicht man sie über eine monumentale Freitreppe am Schlossplatz, welche von den „Vier Jahreszeiten“ gerahmt wird. Von den Bauten Minister Brühls ist heute leider nicht mehr viel übrig, jedoch ist der „Balkon Europas“, wie die Terrasse auch schwärmerisch betitelt wird, ein Highlight der Dresdner Sehenswürdigkeiten.
Der Altmarkt
Von jeher ist der Altmarkt ein zentraler Punkt in Dresden, auf dem Feste, Turniere und Märke abgehalten wurden. 1370 wurde er als „circulus“ erstmals urkundlich erwähnt und bereits um 1400 kam der Begriff „Margt“ auf. Als an der Frauenkirche der Neumarkt entstand, bürgerte sich für den Platz der Name „Alter Markt“ ein. Berühmt wurde der Platz sicherlich auch durch den auf ihm abgehaltenen Striezelmarkt. Nachdem der Altmarkt 1945 vollkommen zerstört worden war, begann man 1953 mit der Neubebauung der Ost- sowie Westseite, wobei man hierbei auf historische Elemente zurückgriff. Als nördlicher Abschluss wurde bis 1969 der Kulturpalast errichtet. Erst 1998 entstanden auf der Südseite moderne Geschäfts- und Bürohäuser.
Der Gänsediebbrunnen
auszugsweise entnommen aus „Historischer Wanderleitfaden“- Dresdner Stadtspaziergänge
Robert Dietz, Professor an der Dresdner Kunstakademie, schuf 1878 die Hauptfigur des Brunnens: den Gänsedieb. Die Geschichte des Gänsediebes geht bis in das 16. Jahrhundert zurück. Ein Schweizer namens Thomas Platter zog als wandernder Schüler durch Deutschland und stahl bei Dresden zwei Gänse. In Dresden fand er dann Aufnahme in der Kreuzschule. Die Figur auf dem Brunnen wurde als ein fideler Bursche, seine Beute im Arm haltend und nach der heftig erschrockenen zweiten Gans greifend, sehr lebendig dargestellt. Auch bei den zwei unter ihm entfliehenden, flügelschlagenden Gänsen, hört man förmlich ihr ängstliches Geschrei. Das volkstümliche Werk, von dem ein gewisser Humor ausgeht, wurde erstmals zum 36. Geburtstag von Dietz am 20. April 1880 auf dem Ferdinandplatz der Öffentlichkeit übergeben. … Seinen neuen Standplatz erhielt der Gänsedieb- Brunnen nach Überholung und Reinigung 1961 auf der Weißen Gasse.